Yanderin Roderick/Methodes Sanguines/Zwischenbetrachtung

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Methodes Sanguines

Zwischenbetrachtung

Der Sinn und Zweck der hier vorgestellen Zauber ist es zweifelsohne die Möglichkeiten des Magiers zu erweitern - sei dies nun bei der Forschung selbst oder auch ganz vulgär im Schlachtfeld, wider daemonische oder sterbliche Widersacher streitend. Kein Exerpt darf aus reinem Selbst bestehen, zwingend ist die Hinrichtung auf einen Sinn notwendig - und eben an dieser Stelle zeigen sich hier ernstzunehmende Problematiken auf.

Rein theoretisch ist es durch exzessiven Einsatz des vorgestellen Cantus in Verbindung mit herkömmlicher Heilzauberei möglich, beliebig viel Magie zu wirken - vorausgesetzt es stünden Paraphernaliae in hinreichender Menge zu Verfügung.

Ein Ansatz der sicherlich gerade die jüngeren Collegae zu wahren Freudenstürmen hinreißen könnte, jedoch es lehrt uns die Erfahrung, daß so gut wie nie eine Lösung derart einfach ist, wie sie sich im ersten Anschein zu verkaufen sucht. Daß, was sich im Überschwang einfach ignorieren läßt, erweist sich bei jedem Zugriff auf diese Form der Zauberei als absolut essentiell:

Blut ist Leben. Leben ist an den Körper gebunden und ein Körper empfindet Schmerz.

Was sollte es daher verwundern, daß jeglicher Einsatz des eigenen Blutes eine enorme Belastung für den Körper darstellt, stark genug um für Unfälle der unschönsten Art zu sorgen? Ein geradezu eisernen Wille ist nötig um den Schmerz nicht übergroß werden zu lassen - der Kontrollverlust würde sich hier nicht nur in verpuffenden schwarzen Wölkchen und eventuell abgesengten Wimpern aufzeigen.

Aus diesem Grunde ist der Zugriff auf Blutzauberei nach der meinen Einschätzung nur Erzmagiern und sehr erfahrene Magi, oder aber Todessehnsüchtigen zu empfehlen.

Bisweilen mag allerdings das Risiko die möglichen unangenehmen Alternativen aufwiegen und so stellen die Methodes Sanguines wohl eine Art letzter Pforte dar, die in den Augenblicken höchster Not aufgestoßen werden können.

Als kleiner Einwurf sei mir an dieser Stelle der Bezug auf einen Priester Tyraels gestattet, der tatsächlich behauptet, daß ein derart Verstorbener seine Seele zusammen mit dem Leben verloren hätte - eine Anspielung auf grundlegenste Zauberprozesse, die hier allerdings nicht weiter untersucht werden sollen.


Möglichkeiten

"Das Problem ist der Beginn der Lösung."

Nach meinem persönlichen Erachten gibt es zwei primäre Möglichkeiten um die Probleme der Blutzauberei zu umgehen.

Da es der Schmerz ist, der dafür sorgt, daß die absolute Kontrolle über den sich formenden Zauber verlorengeht, lautet die sich aufdrängende Lösung schlicht und einfach: Verzicht auf den Schmerz.

Eine Methodik die bei diversen halbwilden Völkern angewendet wird, durch Drogen hervorgerufene Trancezustande mögen durchaus die Opferung von Eigenblut vereinfachen, bergen jedoch - wie in diesem Metier üblich - einen Haken.

Schmerz ist das deutlichste Signal des beraubten Körpers, darauf zu verzichten heißt im schlimmsten Falle die eigenen Grenzen zu überschreiten, ohne es wahrzunehmen - Hilfe dürfte in diesem Falle wohl zu spät kommen.

Die zweite Möglichkeit sollte gerade für sinistre Collegae ein interessanter Weg sein - Warum das eigene Blut vergießen, wenn es doch Leben im Überfluß gibt und es nur genommen zu werden braucht? Wenngleich dieser Ansatz verlockend erscheint, zeigt sich doch zugleich, daß der entworfene Cantus nicht zu diesem Behufe einzusetzen ist, ich werde daher an späterer Stelle bei der Besprechung des zweiten Zaubers zu diesem Ansatz zurückkehren.


Der moralische Aspekt

Bevor jedoch weitere Gedanken zum Thema "Nutzung von Fremdblut" formuliert werden können, muß eine Prüfung des eigenen Wunsches anstehen, denn wenn die Opferung der eigenen Lebenskraft noch immer eine sehr persönliche Angelegenheit ist, zeigt sich spätestens hier ein Einbuch in Belange Anderer.

Die Magiergesetzgebung schreibt hier recht eindeutig vor, wie bei der Aufdeckung eines entsprechenden Tatbestandes vorzugehen ist:

"Wer sich da aber schuldig macht, zu vergießen das Blut eines kulturschaffenden Zweibeiners, so daß jenem zugefügt sei ein mittelbarer oder unmittelbarer tödlicher Schaden, der sei durch Feuertod zu bestrafen.
Wer da opfert das Blut eines Wesens, welchem die Götter haben Verstand und Geist gegeben, so daß ihm beigefügt sei ein mittelbarer oder unmittelbarer tödlicher Schaden, der Expurgico und übergeben dem weltlichen Gerichte, auf daß diese befinden mögen über die Strafe darob jener Verfehlung.
Wer da vergießt das Blut eines lebenden Wesen, so daß ihm zugefügt sei ein mittelbarer oder unmittelbarer tödlicher Schaden, der sei gestraft mit Disvocatio und Disliberatio, im Wiederholungsfalle mit Expurgico."

Nach diversen Auseinandersetzungen gelten übrigens auch die primitiven Orken als kulturschaffende Zweibeiner.

Ansonsten sei an dieser Stelle natürlich darauf hingewiesen, daß hier von einem tödlichen Schaden infolge der Blutmagie ausgegangen wird - was den Schluß zuläßt, daß eine damals gebräuchliche Möglichkeit der Blutzauberei mit fremder Lebenskraft letale Folgen hatte.

Bedauerlicherweise ließ sich aus den mir zugänglichen Informationen keine Bestätigung extrahieren, für die hier vorliegende Dissertation mag dies jedoch auch nur von peripherem Interesse sein.

Es sei daher nur noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Blutzauberei faktisch nirgends toleriert wird, je nach Stärke der lichten Kräfte darf man wohl mit einer entsprechend gewalttätigen Reaktion rechnen - gerade die Diener Tyraels sollten hier eine überwältigende Agilität aufzeigen.

Letztlich liegt die Entscheidung für oder gegen diese Art der Zauberei bei jedem Selbst - eine Wahl, die ich persönlich niemandem abzunehmen gedenke.

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