Yanderin Roderick/Methodes Sanguines/Erster Zauber

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Methodes Sanguines
Überblick ·

Vorwort · Einführung · Vorstellung des ersten Zaubers · Zwischenbetrachtung · Vorstellung des zweiten Zaubers ·

Fazit

Inhaltsverzeichnis

Vorbetrachtung

Die Anforderung für die Erzmagierprüfung beinhaltet auch die theoretische Vorstellung zweier selbst entwickelter Zauberthesen - und dem logischen Aufbau dieser Arbeit folgend, findet sich hier erstmals eine Konkretisierung der bis dahin getroffenen Überlegungen.

Erste Überlegungen

An dieser Stelle bietet sich als erstes natürlich die schon besprochene Abwandlung eines Heilzaubers an - sei es nur um eine Arbeitsgrundlage zu schaffen, auf der schließlich weitere Forschungen erfolgen können. Eine Art von Heilung wird es also auch hier geben, wenngleich in einer Art pervertiert, die der Wirkung des ursprünglichen Cantus wohl in Auswirkung, nicht jedoch im Ansatz widerspricht.

Entsprechend dem von uns gewählten Ansatz steht dabei eine nähere Betrachtung des Zaubers unter Berücksichtigung der Vorgaben der Magica Dolorum an - das heißt nicht mehr und nicht minder, daß Lebenskraft gespendet wird, die eigentliche Zauberformung jedoch zwingend über astrale Muster abläuft.

Wahl der Worte der Macht

Die zu wünschende Wirkung stellt sich einfach dar:

Erzeuge aus der eingesetzten Lebenskraft Zauberkraft.

Schon der erste Blick macht aber deutlich, daß ein In Ort oder auch In Vas Ort an dem gewünschten Ziel weit vorbeigehen.

Möglicherweise ist es tatsächlich möglich astrale Kraft zu erzeugen, dies geschieht dann jedoch nicht durch den Einsatz von Blut - zumindest wenn man formal folgert. Ein gewisser Chaosaspekt läßt sich der hermetischen Magie nicht absprechen, dennoch wird an dieser Stelle beschlossen einen anderen Ansatz zu wählen.

Mani - Leben und Heilung; das scheint in jedem Falle vonnöten, wenn auch vielleicht negiert.. Dies schließt möglicherweise auch das Mantram Rel mit ein, welches für Veränderung und Verwandlung steht. Fügt man nun noch Ort - Magie - hinzu, dann hat man durch diese drei Komponenten einen einfachen Ursprung-Methode-Ziel-Komplex.

Mani Rel Ort - so fühlt man sich versucht die gewünschte Wirkung zu rufen und tatsächlich hat diese Kombination etwas für sich.

Aber bevor an dieser Stelle ein unbedachtes Pro gesprochen wird, steht die Prüfung an - und damit der Vergleichsschluß zu bekannten Verwandlungszaubern. Ein syntaktischer Test ergibt ein: Lebenskraft verändert zu/verwandelt in Magie. Was dem gewünschten Ergebnis durchaus entspricht. Aber schauen wir einmal, was der Codex 64 zu bieten hat:

Kleinere Verwandlungen gibt es zwar viele, angemessen erscheint hier jedoch nur der Vas Ylem Rel. Allerdings findet sich hier syntaktisch nur eine Verwandlungsbeschreibung, keine Angabe von Ursprung und Ziel.

Ort Rel - so wird der Zauber "Manaentzug" gerufen. Ort Sanct - so nennt man den Zauber "Manaraub".

Tatsächlich findet sich im gesamten Codex nicht ein einziger Zauber, der vergleichbar der angestrebten Konstruktion aufgebaut ist. Demnach bleibt nur der Weg zu sorgfältiger logischer Prüfung und der versuchte Rückschluß auf die Worte der Macht durch die korrekte Wirkungsbenennung.

Wählen wir beispielsweise ein "Befreie die Lebenskraft um sie in Zauberkraft zu verwandeln", dann würde sich die Silbe Ex anbieten: Ex Mani - Befreiung der Lebenskraft. Nun steht wieder die Verwandlung: Rel, an, die durch Ort abgeschlossen wird: Ex Mani Rel Ort.

Kein großer Unterschied zu der oben aufgeführten Variante, penibel könnte man als Attribut des Ort auch noch ein An Ex setzen - um die gewonnene Zauberkraft als nicht flüchtig zu erhalten: Ex Mani Rel An Ex Ort.

Dies erscheint mir persönlich allerdings etwas zu komplex.

Ist es möglich, daß Pferd andersherum aufzuzäumen? "Erzeuge Magie durch Verwandlung der Lebenskraft". Dabei wird dem Mantram In vor dem Mantram Kal der Vorzug gegeben - wenngleich Magie gemeinhin beschworen wird, wird sie hier tatsächlich erzeugt und fordert damit In.

In Ort Rel Mani - So könnte der vorschnelle Schluß heißen. Ein Blick noch oben offenbart auf eine amüsante Wechselwirkung, man könnte dies auch als "Erzeuge Magie und verwandle sie in Lebenskraft" lesen - meines Erachtens nach eine unglückliche Verknüpfung.

Tatsächlich sagen mir wegen der Uneindeutigkeit beide genannte Möglichkeiten nicht zu - es bleibt die Suche nach Alternativen.

Stellt man die Syntax einfach um, erhält man als Variation der ersten Möglichkeit: Rel Mani Ort - Verwandle Lebenskraft in Magie. Der Vorteil ist offenkundig, hier hat man eine eindeutige Wirkungsbeschreibung.

Aber halten wir uns daran noch nicht fest, sondern gehen zu einer anderen Möglichkeit weiter, die sich durch "Senke die Lebenskraft, erhöhe die Zauberkraft" darstellt. Des Mani Uus Ort - sollte das in Frage kommen?

Verfeinert mag das eher in Betracht kommen: Ex Mani Uus Ort - hier wird die Lebenskraft freigesetzt und die Magie erhöht - aber es fehlt jeder Hinblick auf die Umwandlung. Daher wird diese Möglichkeit nicht weiter verfolgt.

Arbeitet man nach diesem Schema weiter, zeigt sich ein etwas unbefriedigendes Ergebnis, denn keine der aufgesuchten Konstruktionen vermag wirklich zu überzeugen.

Daher bleibt die Besinnung auf die erwähnte Konstruktion Rel Mani Ort - im Hinterkopf mag man mittlerweile aber durchaus versucht sein, mit In Ort zu liebäugeln - und die Verwandlung durch die Paraphernaliae anzustoßen.

Wie aber oben schon erwähnt möchte ich diesen Ansatz nicht weiter verfolgen und verbleibe damit erst einmal bei Rel Mani Ort. Modifizierend mögen hier Vas oder Bet zum Einsatz kommen, die Verwendung von In oder Kal kann dagegen als unnötig betrachtet werden.

Wahl der Paraphernaliae

Es ist mir natürlich bewußt, daß die Wirkung von Mantren und Reagenzien ineinandergreift und ergänzend wirkt - ein fehlender Aspekt mag hier durchaus ergänzt werden, nach dem meinen Dafürhalten bietet sich die saubere Trennung zur ersten Orientierung dennoch an.

Ginseng - mit seiner starken Affinität zu Heilung und Wohlgefühl - ruft dagegen geradezu nach dem Einsatz, die "Heilung" des fehlenden Manas und das damit zu suchende Wohlgefühl sind wohl durchaus angemessen. Die negative Wirkung auf die eigene Lebenskraft scheint dem Zwecke des Ginseng dagegen entgegengesetzt und wird darum durch den Nachtschatten bewirkt.

Knoblauch bietet sich wegen der allgemeinen Schutzwirkung zwar an - sei es um das Entfliehen der freigesetzten Lebenskraft zu verhindern, kann jedoch auch nicht wirklich überzeugen.

Spinnenseide erscheint dagegen für die Lokationsfixierung unumgänglich.

Auch wenn es auf den ersten Blick unlogisch erscheint, möchte ich auch die viel genutzte Schwefelasche heranziehen - so unsauber dies auch sein mag, einfach aus dem Grunde heraus, daß sie bei so gut wie jeder Verwandlung Verwendung findet.

Die Schwarzperle fällt heraus - es gibt keine Bewegung und auch kein entferntes Ziel. Das Blutmoos dagegen offenbart mit seiner Fähigkeit Energie im Zielort zu speichern durchaus eine gewisse Attraktivität, die es schließlich in die nähere Auswahl bringt.

Die Alraune wiederum würde nur bei einer verstärkten Wirkung Anwendung finden und auch der Nachtschatten entspricht der gewünschten Wirkung maximal in Verbindung mit der heilenden Komponente des Ginsengs - in dieser Betrachtung fällt er heraus.

Damit findet sich ein faszinierendes Zwischenergebnis: Sechs der acht Reagenzien würden auf den ersten Blick in Frage kommen:

Blutmoos wegen der Energiespeicherung Ginseng wegen der wohltuenden Wirkung Knoblauch für den Schutz - wird hier vom Blutmoos wohl ausgestochen Spinnenseide für die Lokationsfixierung Schwefelasche für die Verwandlung (ref. Codex 64)

De facto ist eine Anhäufung von mehr als drei Reagenzien kaum zu finden und es erscheint ratsam sich zu beschränken - damit die Kraft des Zaubers im Zaum haltend.

Die von meiner Person durchgeführten Experimente zeigten dabei folgende Resultate:

Die gewünschte Zauberwirkung stellte sich mit verschiedener Variation bei entsprechender Mischung der Paraphernaliae wie folgt dar:

Wirkungsbetrachtung

Kombination 1 beeindruckt dabei vor allem durch den hohen Wirkungsgrad, es wird nur wenig Lebenskraft gebraucht und recht gut umgewandelt, rein kraftmäßig wäre eine Einordnung in den 1. Zirkel passend.

Kombination 2 erweist sich durch die schützende Wirkung des Knoblauchs noch als gut beherrschbar, die Schwefelasche unterstützt jedoch die Umsetzung - auch durch Verzicht auf das Blutmoos. Dieser Zauber hat einen geringeren Wirkungsgrad, es kann jedoch mehr Kraft eingesetzt werden - eine Einordnung in den vierten Zirkel wäre angemessen.

Kombination 3 erweist sich als sehr schwer zu beherrschen und bedarf wahrlich der Kraft eines Erzmagiers - ich persönlich war nicht in der Lage zur Ausführung zu schreiten und mußte Magister Jerwalson darum bitten. Seinem Report zufolge und nach dem, was ich sehen konnte, erweist sich der Schock des Lebenskraftentzugs als nahezu letal und kann nur mit eisernem Willen überwunden werden, die Belohnung besteht in vollständiger Regeneration der astralen Kraft.

Ausgelöst wird dies durch den Verzicht auf die Schutzwirkung des Knoblauchs, der die Schwefelasche bei Kombination 2 noch minderte, offenkundig erweist sich das Zusammenspiel von Schwefelasche, Ginseng und Spinnenseide als invers orientiert - als Ausgang dient die vollständige Füllung mit astraler Kraft, die entsprechend Lebenskraft kostet.

Als kleine Anmerkung sei hier nur auf eine Parallele zum Codex 64 hingewiesen: Die klassischen Heilcanti In Mani, In Vas Mani und An Corp folgen grundsätzlich einer ähnlichen Ausrichtung, wenn es auch im Detail diverse Unterschiede gibt. Aus diesem Grund wird die Kombination 3 auch im 8. Zirkel eingeordnet.

Feinschliff und Zusammenfassung

Im Rückblick auf die angesetzten Theorien und experimentell bestätigte oder verworfene Thesen, wird es nun Zeit für eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.

An dieser Stelle wird es auch nötig einen Vulgärnamen für die Verknüpfung von Worten der Macht zu setzen.

Ich eröffne daher wie folgt:


Es wurde nach einem Zauber gesucht, der eingesetzte Lebenskraft in Zauberkraft umwandelt. Dabei werden astrale Strukturen benutzt, daß heißt: Es muß eine gewisse Zauberkraft vorhanden sein und es werden astrale Strukturen benutzt.

Während der Forschungen ergab sich eine Splittung des Zaubers in drei verschiedene und dennoch zusammengehörige Canti, die sich nur in der Feinwirkung, nicht aber im Ansatz unterscheiden.

  • Vulgärname: Kleiner Blutzauber
  • Mantren: Rel Mani Ort
  • Paraphernaliae: Blutmoos, Ginseng, Spinnenseide
  • Eingesetzte Zauberkraft: Sehr gering
  • Eingesetzte Lebenskraft: Gering
  • Wirkungsgrad: Sehr hoch
  • Zirkeleinordnung: 1. Zirkel


  • Vulgärname: Einfacher Blutzauber
  • Mantren: Rel Mani Ort
  • Paraphernaliae: Blutmoos, Schwefelasche, Spinnenseide
  • Eingesetzte Zauberkraft: Sehr gering
  • Eingesetzte Lebenskraft: Mittel
  • Wirkungsgrad: Hoch
  • Zirkeleinordnung: 4. Zirkel


  • Vulgärname: Grosser Blutzauber
  • Mantren: Rel Mani Ort
  • Paraphernaliae: Ginseng, Schwefelasche, Spinnenseide
  • Eingesetzte Zauberkraft: Gering
  • Eingesetzte Lebenskraft: Hoch
  • Wirkungsgrad: Mittel
  • Zirkeleinordnung: 8. Zirkel


Resumé

Schlußendlich bleibt anzumerken, daß der Ansatz über die Opferung von Eigenblut unter Ausnutzung von astralen Strukturen astrale Kraft zu sammeln, erfolgreich war.

Ähnliche Versuche für die anderen Spielarten der Methodes Sanguines bleiben für die Zukunft offen, es sei jedoch an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß jedes Experiment mit der Magie des Blutes schmerzhaft und extrem erschöpfend ist. Es sollte daher unter allen Umständen vermieden werden allein im stillen Kämmerchen an einer weitergehenden Ausarbeitung zu feilen.

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