Werwolf/Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

Auszug aus der Geschichte Schattenwelts

Die Werwölfe

Westen und seine Brüder erkannten, das sie diese Schlacht gegen Osten verloren hatten und suchten nach neuen Mitteln und Waffen um Osten und sein verhaßtes Licht zu besiegen. Diese Waffe fanden sie schließlich.

Aus allem, was Lebte und der toten Erde formten sie Wesen und schickten diese in den Kampf gegen Osten. Doch die Wesen besaßen nicht viel Intelligenz und ohne das Osten etwas tun mußte, verloren seine drei Brüder die Kontrolle über diese Wesen. Fortan lebten die Tiere, wie Osten sie getauft hatte, friedlich und im Einklang mit der Natur. Sie waren nur mit sich selbst beschäftigt und interessierten sich nicht für den Konflikt der Brüder! Die drei Brüder sahen ein, daß sie eine stärkere Waffe brauchten und erschufen erneut eine Armee von Wesen. Diesen gaben sie jedoch einen Teil ihrer Macht und ihrer Intelligenz.

Die erste Schlacht war verloren, der Erste Versuch über Schattenwelt verstreut und von den Brüdern bereits fast vergessen. Oder sollte man besser sagen - verdrängt? Westen, Süden und Norden wandten sich einem neuen Versuch zu, voll der Selbstsicherheit, während der Zorn noch durch ihre Seelen pulsierte und sie antrieb. Norden jedoch war nur mit halben Geist bei der Sache. Er beobachtete seine Brüder, und in dieser Zeit reiften seine eigenen Gedanken. Häufig saß er in langen Stunden in seiner Festung und ließ den Blick über die Welt streifen, und langsam formte sich der neue Wille in ihm. Er wollte etwas eigenes schaffen; er würde nicht wieder versagen, er würde etwas besseres bauen als seine Brüder! Voll Tatendrang stürzte er sich auf diese neue Aufgabe, die ihn Tag und Nacht antrieb. Er streifte durch die kalten Tundren seines Gebietes, und schließlich fand er nach langer Suche ein Gefäß, mit dem er arbeiten wollte, starke Raubtiere, intelligente Kämpfer, trotzend gegen Kälte, Sturm, Regen und Eis; sah, wie sie sich führen ließen - wie sie sich auch von ihm führen lassen würden! Und so nahm er den Größten, Stärksten der ihren, sperrte ihn in seine Verließe, ließ ihn quälen und foltern, härten, und taufte ihn Wolf. Und zugleich schuf er in jener Zeit ein Wesen aus Fleisch und Blut, den Versuchen, die er mit seinen Brüdern anstellte, garnicht so unähnlich. Und als auch dieses fertig war, verlieh er dem Wesen aus Fleisch und Blut einen Geist und Teile seiner Macht, wie er es später auch bei den anderen tun würde. Und beiden hinzu fügte er die Gabe der Regeneration, sodass geschlagene Wunden sofort heilten, und schärfte ihre Sinne auf das Unermessliche, auf dass sie sahen, hörten, rochen und spürten, was anderen verborgen blieb. Nur das Feuer konnte ihr Fleisch vernichten. Aber als er sie ansah, war es ihm noch nicht genug, zu lebendig waren die Augen seiner Wesen, und er wollte nicht abermals daran scheitern. Und so griff er hinauf in den Himmel und holte den Mond zu sich herunter. Zwei Splitter schlug er, und diese rammte er in ihre Herzen, auf dass sie nicht länger fühlten und ihre Gedanken erfroren und die Härte des Gesteins in ihren Geist dränge. Auch dies gelang offenbar, Hass verzerrte ihre Gesichter und Schmerz schrien ihre Seelen. Jetzt endlich nahm er den Samen seines Wolfes und setzte ihn in das Andere, und das Andere gebar Kinder. Aus diesen Mischwesen, die dreierlei Formen in der Erscheinung kannten, sollte seine Armee entstehen, die alles andere niederfegen würde. Und so stand er einige Sonnenwechsel später vor seinen geschaffenen, gereiften Wesen und richtete das Wort an sie, sprach von Macht und Sieg, und prophezeite ihnen große Dinge und Taten. Ein Jaulen und Heulen stieg in den Himmel, und mit einem zufriedenen Lächeln wandte Norden sich von seinen Zwingern ab, um am nächsten Tag wiederzukehren und seine Armee in die Schlacht zu führen. Doch als er zu Sonnenuntergang des nächsten Tages zurück kehrte, waren die Zwinger leer. Einzig das Andere hockte noch in einer Ecke und stierte mit toten Augen voll Hass ins Nichts, zurück gelassen als zerstörtes Wesen. Als weder Nordens Wüten und Toben noch Worte halfen, kamen seine Diener und zerrten das Andere fort...niemand sah es verschwinden, und so geriet es in Vergessenheit.

Und dies geschah: Als die Splitter geschlagen und gesetzt warden, gab es eines, das Norden nicht wusste. Während sein Plan bei dem Anderen aufging, schlug der Schmerz zwar in die Seele des Urwolfes, doch veränderte abgesehen von seinem verwandelten Äußeren, welches aus mondfarbenem Fell und Augen bestand, wenig in ihm. Denn der Mond war schon immer der Begleiter dieser Jäger gewesen, hatte ihre Wege in der Nacht beleuchtet und ihren Pfaden Sicherheit geschenkt. Der Wahnsinn blieb dem Urwolf fern, und dies verbarg er weise vor Norden. Doch das war nicht der einzige Fehler Norden's. In seiner göttlichen Selbstherrlichkeit beließ er die Kreaturen gesammelt, sah nicht, wie sie sich um den Urwolf rotteten. Als Norden nach der Ansprache vor seinen Kriegern verschwand, nahmen die Lykanthropen ihre Chance zur Flucht wahr. Das Andere, ein widernatürliches Monstrum, ignorierten sie, und verschwanden tief in die Erde...und besetzten so eine Nische, die weder von Drachen, noch Zwergen oder gar Dunkelelfen jemals gefunden wurde. Dort harrten sie während der Brüderkriege, unbemerkt, jagten des Nachts in den dichten Wäldern, ungehört, lebten in einfacher Gemeinschaft, mit einer Kultur, die kein Mensch jemals verstehen könnte, ungesehen...


Der Urwolf

Rasend schnell trugen ihn seine Pfoten über das karge, vereiste Land. Sie zogen eine weiße Spur aus kondensiertem Atem hinter sich her, die der kalte Wind immer wieder zerfächerte und auseinander trieb. Vor ihnen das Beutetier mit den vier langen Beinen und dem schaufelartigen Geweih, das dem Einzelnen so gefährlich werden konnte. Sie waren die einzigen, die sich so weit in den Norden wagten, um hier zu jagen. Alle anderen blieben jedes Mal zurück, sobald der erste Schnee den Boden bedeckte. Nicht so sie. Sie fühlten sich unbesiegbar, als sie den Abstand zu der baldigen Mahlzeit vor sich verringerten und einen Teil seines Vorsprungs mit ihren im Gleichklang aufkommenden Pfoten fraßen. Das Blut pulsierte durch ihre Körper, Adrenalin putschte sie auf und jagte sie in noch höherer Geschwindigkeit voran. Panisch röhrte ihr Opfer, wandte den Kopf ein kleines Stück um sie aus Augen anzuschielen, in denen das Weiße blitzte. In dem Moment trat es fehl, das rechte Vorderbein brach unter ihm weg und, auf diese Art aus dem Gleichgewicht gebracht, auch alle anderen Beine.

Wie ein Schatten sprang er an die Kehle des Wesens und drückte ihm die Luft ab. Die anderen hielten unruhig Abstand, während die Hufe hilflos in der Luft zuckten und ein vereinzeltes Fiepen aus der Kehle der Nahrungsquelle entkam. Jetzt lag es still. Niemand wagte sich näher, als der Eine die Bauchdecke aufschlitzte und seinen Hunger stillte. Dann trat das Alphatier mit einem weiteren Brocken dampfenden Fleisches zurück. Das Rudel stürzte sich auf das hingestreckt liegende Beutetier. In dem Moment geschah etwas schreckliches. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte das Alphatier Angst. Seine Schwestern und Brüder drängten sich winselnd zusammend, als sich eine riesige, bedrohliche Gestalt materialisierte. Was sollte das? Was war das? Wortlos streckte es eine Hand aus und ergriff den Alpha. Die übrigen konnten sich nicht rühren. Und mit dem Alphatier in der Hand verschwand es wieder...


Schwarz, da ist überall soviel schwarzer Stein. Eine kahle Kammer, und er allein in ihr.

Was geschieht jetzt?

Schritte kommen näher. Er kauert sich in einer Ecke zusammen. Das mächtige Tier ein winselnder Haufen Fell. Ein Schlüssel im Schloss, dreht sich, Knirschen, Einrasten, die Tür öffnet sich. „Komm schon Wölfchen...“, ein dreckiges, widerliches Lachen von einer schmierigen, dürren Gestalt. Eine Peitsche knallt, er wird hinaus getrieben, einen langen, finsteren Gang entlang in einen anderen Raum.

Dieser ist nicht leer. Da sind überall komische, glänzende Metallsachen, die im Fackellicht kalt schimmern.

Sein Nackenfell sträubt sich. Der Zweibeiner packt das Tier und hievt es auf eine Plattform, sich um die schnappenden Kiefer und wild schlagenden Krallen herum windend. Aus schwarzen Stein ist auch diese Platte, Rillen am Rand eingelassen, die zu einem leeren Bottich führen. Der Raum ist sauber, aber es stinkt hier. Er kennt den Geruch nicht, aber er ist sicher, dass er ihn auch nicht kennen will. Die Urinstinkte werden bei diesem Gestank geweckt, pure Angst vor dem, was darin lauert. Aber er ist jetzt gefesselt, mit silbernen Schnallen. Er kann sich nicht bewegen. Das böse Wesen beginnt wieder zu brabbeln. „Keine Angst mein Kleiner...“, säuselt es, aber er versteht es nicht. „Ich gebe gut auf dich acht...ER braucht dich. ER hat dich Wolf getauft...ER sagt, ER braucht dich. ER macht dich groß, ER macht dich stark. Keine Angst mein Kleiner...ich gebe auf dich acht. Es tut nur ein wenig weh...nur ein wenig.“, und mit einem leisen Kichern macht es sich an die Arbeit. Das gepeinigte Jaulen und Heulen dringt alsbald aus der Kammer heraus in den Gang, hallt schaurig durch die Kellergewölbe. Die Wesen dort lächeln nur und gehen weiter, vielleicht im Takt zu der Musik, die sie da erlauschen, während ein anderes Instrument das Fleisch erneut zum Klingen bringt.

Er wünscht sich oft zu sterben, doch der Schmerz hört nie auf. Auch wenn das namenlose Wesen fort ist, schweigt der Körper nicht. Sein Körper beginnt sich darauf einzustellen, nutzt die kurze Zeit zur Heilung. Einmal bleibt der Zweibeiner länger weg, und in der Zeit schafft er es fast, sich gänzlich zu heilen. Aber dann kehrt es wieder und die silbernen Geräte senken sich erneut in die rosige Haut. Er lernt in jenen Stunden des Schmerzes die Sprache der Gestalt, in der langen, dunklen Zeit, in der es weder Tag noch Nacht gibt. Das leise Murmeln, Brabbeln und Kichern bewahrt ihn vor dem Wahnsinn und gibt ihm ein Ziel für seinen Hass. Er kennt jetzt den Geruch. Er wird ihn nie vergessen.

Es geht wieder. Und als es diesmal wiederkommt, ist es nicht allein.

„Da, da, das Tierchen ist fertig, fertig ist es, ich habe es schön, schön gemacht für IHN. Nimm das Wölfchen, nimm es...“, kichernd und mit Speichelfäden, die aus dem Mund des Zweibeiners tropfen, will es den Weg frei machen. In dem Moment wird es unvermittelt von einer Klaue zur Seite geschleudert. „Mach Platz.“, knurrt eine dunkle Stimme. Er erblickt den Besucher. Es scheint nur aus Muskeln zu bestehen, mit kleinen, schwarzen Augen, die ihn anfunkeln. Dann tritt es näher. Er kanalisiert seinen Hass neu. „Jaaa, so ist es richtig...“, wispert es leise. „Hasse mich, wie du noch nie zuvor gehasst hast...“ Mit diesen Worten schnallt es den Wolf los. Er weiß, dass von nicht erwartet wird, dass er die Sprache versteht, also schweigt er. Wo die Fesseln gewesen sind, glänzt das rohe, mit Blasen überzogene Fleisch rot im Fackelschein. Aber der körperliche Schmerz verblasst schnell. Als gegriffen wird, bleibt reglos, nur ein kurzer Blick zu dem haltlos lachenden Ding in der Ecke, das sich mit verrenkten Gliedmaßen langsam wieder aufrappelt. Dann wird er fort getragen.

Das Tageslicht schmerzt in seinen Augen, die eiskalte Luft schneidet in seine Lunge. So lange ist es her, dass er frische Luft geatmet hat und den Himmel sah. Er/Sie weiß nicht, wie lange. Es gibt keine Zeit mehr. Schnee bedeckt den Boden. Wie immer. Er wird losgelassen und fällt zu Boden. Sie befinden sich in einem großen Innenhof, schwarze Steinmauern ragen hoch hinauf. Keine Möglichkeit zu entkommen, auch hier nicht. Der kehlige Schrei des Montrums weckt seine Aufmerksamkeit wieder, dann kommt es mit gehobenen Klauen heran gestürmt.

Er kann nicht ausweichen. Er ist zu steif, fühlt seine Glieder kaum. Der erste Schlag reißt ihn in die Luft. Blut tropft in den weißen Schnee, der die Augen blendet. Ein Winseln entfährt ihm, doch das macht ihn gleichzeitig auch zornig und weckt seinen Widerstand. Er zwingt seine Glieder unter seine Kontrolle und steht auf. Ein dumpfes Knurren entweicht seiner Kehle, das helle Nackenfell sträubt sich. Er stürmt los, beißt eine Stück Fleisch aus dessen Flanke, ehe es ihn wieder zur Seite schleudert. Er ist schwach. Er braucht Nahrung. Aber nichts geschieht. Der Kampf geht noch für viele Stunden weiter.

Obwohl er die Sonne wiedergesehen hat und den Unterschied zwischen Tag und Nacht kennt, hat sich nicht viel geändert. Doch. Er bekommt Nahrung. Fleisch, in regelmäßigen Abständen. Und viel, genug, um dem abgemagerten Körper wieder Form zu geben. Warum? Er empfindet selten noch Angst. Immer verschiedene Wesen kommen zu ihm und kämpfen mit . Sie trainieren ihn.

Er bleibt immer in diesem Hof eingesperrt. Aber er hat den Himmel wiedergesehen, und die Sterne, und den Mond, und das gibt ihm Kraft. Der Mond wechselt. Die Sterne wandern. Die Zeit vergeht, und er ist wieder stark. Die Wesen, die jetzt kommen, sind größer und geschickter. Manchmal kommen auch kleine, schnelle Wesen. Sie reden nicht. Sie alle reden nie. Wer schickt sie?

Es ist ein ganz normaler Tag. Der Himmel ist grau, das ist er häufig. Nur selten scheint die Sonne, und noch seltener erreicht ihr Auge die Zinnen. Hier steht sie immer niedrig, und nie war es anders. Wo Blut den immer währenden Schnee berührt, gefriert es zu Eis. Über den Boden verteilen sich Eislachen, in verschiedenen Abständen. Er erinnert sich an jede einzelne Lache. Schon seit langem sind sie nicht mehr alle von ihm. Jetzt geschieht etwas. Wieder kommt jemand. Er steht auf, macht sich bereit. Kalte Augen treffen auf ihn, betrachten ihn von oben bis unten. „Du kommst mit.“, schnarrt eine Stimme. Er reagiere nicht, starre es aus Tieraugen an. Als ob es darin lesen könnte. Mit einem frustrierten Brummen nähert es sich ihm, scheucht ihn mit Gesten in die Richtung, aus der es kam. Er folge. Sie gehen einen langen Gang entlang, von einzelnen Fackeln erhellt. Ihr Licht wirft trügerische Schatten an die schwarze Wand, und ihre Wärme wirkt fehl am Platz, ist ihm unangenehm. Er kann auch im Dunkeln sehen.

Dann stehen sie vor einem Tor, das sich gleich darauf öffnet. Eine große, leere Halle erwartet uns. Nein, nicht gänzlich leer. Dort steht noch etwas anderes, zwei weitere Wesen. Eines besteht, wie auch das neben ihm, fast nur aus Muskeln und Kraft, es riecht unangenehm. Das Andere ist so dünn wie die kleinen Wesen, die kamen, um ihn zu bekämpfen. Aber es ist größer. Es hat Fell auf dem Kopf, sonst aber nur nackte, ungeschützte Haut. Ich stelle mir vor, dass es sehr schnell und wendig sein muss. Es stinkt nicht. Es hat kaum Geruch, und dessen Augen blicken leer. Er schwört sich, dass seine Augen nie so blicken werden. Sie stehen still. Die Luft ist von Erwartung erfüllt, prickelt unangenehm in seinerWirbelsäule. Dann füllt sie sich unvermittelt, und er fühlt das gleiche, wie damals auf der Ebene. Es ist pure Angst.

ER ist erhaben. ER steht über allem. ER steht über jeder Empfindung, über jedem Hass. Über jeder Kritik. ER ist. Er findet sich am Boden kauernd wieder, den Schwanz eingeklemmt, ein leises Winseln, das mir entkommt. ER ist überwältigend. Er gehört IHM. ER ist sein Schöpfer. Und er fühlt, dass ER damit zufrieden ist. ER ist zufrieden mit ihm! ER wendet sich dem Anderen zu. ER berührt es! Und plötzlich blinzelt es, mehrmals, und die Augen...sehen. Es zuckt herum und schaut sich um. Es schlingt die Arme um sich; es friert? Es empfindet. Seine Augen sprechen. Es hat Angst. Furcht. ER verschwindet wieder. Das Gefühl des Verlustes kommt über ihn. Und wir werden fort gebracht.

Gänge, lange Gänge entlang, die gleiche Prozedur wie zuvor. Doch diesmal bin ich nicht allein, das Andere wird den gleichen Weg gebracht. Tor, zwischen dessen Ritzen Kälte hervor weicht. Es wird geöffnet, dahinter Schnee und grauer Himmel, wie er es vermutet hat. Wir werden hinaus gestoßen. Das andere stolperte und fällt, es hat seine Glieder noch nicht unter sonderlich guter Kontrolle. Fasziniert betrachtet er es und den Blick, den es mir zuschickt. Angst. Verwirrung. Ob es wohl sprechen kann? Vorsichtig schreitet er näher auf das Geschöpf zu, das die Augen halb schließt und zitternd da hockt, seine Gliedmaßen noch ordnet. Dann fängt er einen Geruch auf. Verwundert betrachtet er es erneut; es riecht nach weiblichem. Ihre Haut läuft langsam blau an. Er glaubt nicht, dass dies ein gutes Zeichen ist. Ihn stört die Kälte nicht, er fühlt sie kaum. In dem Moment öffnet sich das Tor erneut, Stoff wird heraus geworfen. Während es noch knirschend zufällt, krabbelt sie auf die Decken zu. Da sind lange Röhren dran und sie windet sich irgendwie hinein. Jetzt ist sie eingehüllt. Er lässt seinen Blick schweifen. Unbeholfen steht sie auf. Es schneit. Sein Blick fixiert etwas am anderen Ende des Korals; er trabt darauf zu. Ein steinerner Unterstand und darin lodert ein Feuer. Ihm gefällt es nicht, aber für sie ist es genau richtig. Sie kommt ihm hinterher, vielleicht hat sie es gespürt. Sie ist so groß und mager, hat so bleiche Haut. Sie ist seltsam. Sie legt sich hin, neben die Flammen. Dann macht sie die Augen zu, ihr Atem und Puls verlangsamen sich. Er hockt sich neben die Tür, zum ersten mal seit langem geschützt vor Wind und Schnee. Ein fremdes Gefühl. Seine Gedanken wandern. ER. Der Wolf weiß jetzt, wer sie geschickt hat. Der Wolf kennt nicht das Warum. ER war damals dort und wegen IHM geschieht das alles hier. Aber, ER kommt ihm nicht böse vor. ER steht über diesen Dingen, über jeder Wertung. Der Hass vergeht. Resignation...abwarten, was nun geschieht. Was mit ihr geschieht. Warten auf das Warum.

Als sich das Geräusch des sich öffnendes Tors durch das Heulen des Windes in der Nacht frisst, ist er nicht überrascht. Er habe darauf gewartet, es jeden Gestirnswechsel erwartet. Das Geräusch kommt spät.

Eines der grobschlächtigen Wesen schreitet über das weite Feld auf sie zu, greift das Andere vor meinen kalt-grauen Augen und zieht es in die Höhe, ihn drohend anstarrend und mit sich winkend. Das Andere läuft schnell, um Schritt zu halten.

Wir werden wieder in die Festung gebracht. Wir gehen lange und er weiß nicht, wohin. Am Ende eines langen, kalten, hohen Ganges glänzt Mondschein, auf den wir uns zu bewegen. Dann sind sie wieder im Freien. Die Mauern hier sind unendlich hoch, viel höher als dort, wo wir vorher waren. Er glaubt, dass wir im Herz des Gesteinterritoriums sind. Er spürt IHN kommen. Die Angst zwingt ihn fast zu Boden, aber zum ersten Mal bemerkt er, dass er stehen bleiben kann. Das reicht ihm, er will keine Aufmerksamkeit erregen, und so sinke ich trotzdem winselnd zusammen. Vage höre ich das Wimmern des anderen. Dann erscheint ER. ER betrachtet uns. Im tiefsten Innern will er IHM zum Gefallen sein, will dass ER mich anerkennt, will SEIN Krieger sein, will IHM als einzigem gehorchen und folgen. ER schuf ihn, ER ist sein Schöpfer. SEIN soll das Blut sein, das ER formte. Er spürt dass ER noch nicht ganz zufrieden ist. Warum? Genüge ich IHM nicht, bin ich nicht stark genug? ER mustert sie. Und wieder ist ER unzufrieden. ER wendet sich ab. ER hebt die Arme, aus denen ein dunkler Strom hervor bricht. Er sieht nicht wirklich, aber er spürt ihn. Der Strom ist überwältigend, raubt ihm den Atem, lässt das andere Wesen zurück taumeln. Das Andere und er verharren, geblendet.

Das Winseln, das jetzt seiner Kehle entweicht, ist echt. SEINE Gestalt flimmert und verschwindet, aber dieser schreckliche Energiestrom ist immer noch da. Er fühlt, wie es an ihm reißt, zerrt, ihn fast mit sich zieht. Aber er weiß, er wäre auf immer verloren, also wehrt er sich verbissen mit allen Kräften, genau wie das Andere. Ein grelles Aufflackern von etwas, das absolutes Licht und absolute Schwärze ist. Jetzt steht ER wieder vor uns. ER hält etwas in der Hand. Blinzelnd versuche ich zu erkennen, was es ist, und das vertraute Gefühl in seiner Brust zu ergründen. Zwei Gesteinssplitter, milchig in der Farbe, hält ER in den Händen der Gestalt, die ER sich gab. Zitternd wagt er es nur, diese Steindolche mit den Augen zu erfassen, geblendet von SEINER Macht und Herrlichkeit. ER hebt die Arme und auf einmal spürt er Zufriedenheit. Er ist glücklich. Glücklich in dem Bruchteil einer Sekunde, ehe ER mit grausamer Kraft vorwärts schießt und die Splitter in die beiden Körper rammt. Sein Bewusstsein birst tausend Scherben, während er das Andere noch neben sich schreien hört.

Er schwebt. Er höre leise Stimmen in seinem Kopf wispern, ehe sie schlagartig verstummen. Er schwebt in der Stille. Er schwebt in der Leere. Seine Seele ist Harmonie. Er ist groß, er ist eins geworden mit Ihm. Er fühle Stärke. Er fühle Kraft. Er fühle Härte, er fühle Kälte, er fühle Unnachgiebigkeit...aber er fühlt auch Vertrautheit. Er fühlt Ruhe.

Selbstvergessen ruht er in sich und schaut hinaus ins Nichts, in die Schwärze. Aber diese Schwärze ist nicht schlecht, sondern einfach das Fehlen von...etwas. Es ist Leere, nicht Bosheit. Nicht das lichtlose Schwarze der Bosheit. Sein Blick verharrt. Dort ist etwas...ein rundes Gestirn steht mir gegenüber. Blau schimmernd und in Watte gehüllt wandert es mit ihm.

Da stört ein Geräusch die Stille. Ein leises Summen zuerst, steigert es sich immer weiter, bis ein Schrei erkennbar ist, unvorstellbar hoch, entreißt ihm diesem Ort, macht ihn wütend, während er durch die Schwärze wirbelt und in einem geisterhaften Tanz taumle, bis er zornig aufheult...! Schlagartig spürt er seinen Körper wieder. Wilden Zuckungen verfallen windet er sich auf dem eiskalten Boden, seine Stimme mischt sich im rasenden Schmerz mit dem Schreien des Anderen, halb blind vor Qual versucht er seinen Leib zu beherrschen.

Er hat keine Angst. Nur Schmerzen. Schmerzen, wie er sie schon tausende Male gespürt hat. Aber vergeblich versucht er sich das einzureden, während etwas tief in ihm eiskalt und siedend heiß pulsiert. Blut aus seiner Brust rinnt und sein fiebriger Blick über das ebenfalls blutverschmierte Andere gleitet. Auch aus ihrer Brust tropft es rot, rot zu dem rot gefärbten Körper, wie ein Gewand hüllt sie diese schimmernde, glitschige Schicht ein... Und SEINE Anwesenheit vergeht. Er spürt noch, wie er hoch gehoben wird, ehe eein Bewusstsein in eine andere, warme, schwarze Bewusstlosigkeit sinkt.

Er erwacht in dem Korall. Wie schwarze Klauen heben sich die Mauern empor. Die Kälte erinnert ihn an das Eis, das in ihm pulsiert. Das ist seltsam. Es pulsiert, als hätte es ein Eigenleben. Aber es tut nicht mehr weh. Die Wunde hat sich bereits wieder geschlossen und das Fremde fühlt sich an wie ein Teil von ihm. Wie etwas, das er kennt...

Langsam rappelt er sich auf und schleppt sich über den vereisten Boden auf den Unterschlupf zu. Diese Heilung hat sehr an seinen Kräften gezehrt. Hier liegt auch sie. In wirren Fieberträumen wirft das Andere sich hin und her, winselt leise unverständlich vor sich hin. Aber hier ist es warm und der Erdboden staubig trocken. Plötzlich stutzt er zum ersten Mal. Der Erdboden - staubig? Körnig? Hart, aber nicht gefroren? Er begibt sich in die dunkelste der Ecken und scharrt probeweise mit einer Kralle über den Untergrund. Einige Körnchen wirbeln auf, eine winzige Spur ist zu sehen. In seinen Augen glimmt ein grimmiger Funke auf. Eine Spur ist eine Spur. In dieser Nacht beginnt er zu graben. Sie kommen nie in den Unterschlupf, Nahrung bringen sie immer nur bis zum Tor und lassen es dort stehen. Man gibt ihnen Zeit, zu Kräften zu kommen.

Wozu? Er will es nicht mehr wissen.

Häufig sind seine Krallen blutig von der harten Erde, die zuerst trocken, dann immer härter wird. Irgendwann glaubt er fast nicht mehr weiter zu kommen. Der Boden ist hier nahezu gefroren und noch immer muss er nach unten buddeln, da er nicht weiß, wie weit in die Tiefe die schwarzen Burgfelsen greifen. Nicht sehr tief, wie er hofft. Es kann nicht so tief sein, da dies ein Bau vielleicht nicht von Muskelkraft ist, die Kälte jedoch lähmt. Und in jener Zeit, in jenem kleinen Raum, den er so hasst und nicht vergessen kann, war er auch nicht tiefer als etwas Wärme reicht. Das gibt ihm Mut, die Kraft, weiter zu machen.

Jeden Meter muss er mittlerweile innehalten, um das Fleisch seiner Pfoten zu regenerieren. Der Schmerz benebelt fast seine Sinne. Aber er gibt nicht auf. Niemals.

Er spürt etwas nahen. Rasch klettert er die 5 gegrabenen Meter in die Höhe und legt sich vor die schmale Öffnung. Das Andere liegt blass und mit flachem Atem da. Die Wunde ist schlecht geheilt. Schweigend lauscht er den sich nähernden Schritten. Ein Wesen, etwas kräftiger als das Andere tritt in den Unterschlupf, bemerkt nicht die insgesamt etwas höhere Erdschicht hier drinnen. Es sind auf diesen Raum verteilt nur wenige Millimeter. Ohne ihn eines Blickes zu würdigen hebt er sie hoch und trägt sie fort. Drei Gestirnswechsel später bringt man das Andere wieder. Er mag ihre Ausstrahlung nicht mehr. Sie kommt ihm kalt, unnatürlich vor. Als ihr Blick ihn trifft, ist er ausdruckslos. Nicht leblos, ausdruckslos. Dieser Unterschied stößt ihn ab. Das Andere wurde endgültig zerstört. ER wird jetzt zufrieden sein.


Einen Gestirnswechsel später betreten einige der Muskelbepackten das Rund und winken sie mit sich. Sie folgen, wie immer. Durch die Gänge in einen Saal, dessen Geruch mir bekannt vorkommt. Hier waren sie schon einmal. Hier hat ER die Steindolche vom Himmel geholt. Mit der Macht einer lodernden Feuerwand erscheint ER vor ihnen, in all SEINER Herrlichkeit. Winselnd sinkt er zusammen, mit dem Laut der Unterwüfigkeit fällt das Andere. ER mustert uns mit SEINEM allwissenden, mächtigen Blick. Leere herrscht in seinen Gedanken, Leere in seinem Blick, denn er will IHM gefallen. Und zum zweiten Mal gefällt IHM, was ER sieht. Glück durchströmt seinen Körper und löst wohlige Freudenschauer aus, die Welt scheint neuen Sinn für mich zu ergeben und zu erstrahlen. Endlich ist ER vollends zufrieden! Ich fühle SEINE Hand näherkommen, denn sehen kann ich sie nicht. ER berührt ihn und heiße Erregung fährt durch mich hindurch; er fühlt sich so, als würde er eine rollige Wölfin besteigen. Größer, mächtiger noch ist dieses Gefühl der Befriedigung, er merkt kaum und wie von Sinnen, wie mein hechelndes Japsen durch die Stille fährt. Genauso schnell wie das Gefühl kam ist es wieder fort, aber kein Samen befleckt den Boden. SEINE Anwesenheit entfernt sich wieder von ihm und bewegt sich auf das Andere zu und während ihr Kopf in den Nacken sinkt und ihre Lider sich halb schließen, ein kehliges Stöhnen über ihre Lippen dringt, führt ER seine Hände über ihren Leib. Macht strahlt von IHM ab und nimmt ihm fast den Atem. ER weicht zurück und betrachtet abermals sein Werk. Dann verblasst ER abrupt wieder und er bleibt mit dem entwürdigenden, beschmutzten Gefühl des Benutzt-worden-Seins zurück. Das heiße Glück hat sich lange bereits wieder verflüchtigt, als sie den Zwinger erreicht haben. Einzig und allein der Hass, der in ihm brennt, bleibt und wärmt ihn.

Ihr Leib beginnt sich zu runden und sie bekommt mehr Nahrung als sonst. Häufiger kommt jetzt eines der Wesen bis zu der Behausung, was sein Graben weiter erschwert. Er hat begonnen in die Länge und nicht mehr in die Tiefe zu buddeln. Unsicherheit wühlt in ihm. Nun, da ER zufrieden mit SEINEN geschaffenen Wesen ist, weiß er nicht, wie viel Zeit noch bleibt, ehe ER sie endgültig holt. Was hat ER mit dem Anderen getan? Irgendwann, als ihr Leib doppelt so dick ist wie sonst und sie nur noch lethargisch in der Ecke sitzt, wird sie von einem dünnen Wesen geholt. Drei Gestirnswechsel später kommt einer der Muskelbepackten. Wieder der gleiche Raum, er kann es riechen, aber er beherrscht sich. Auch das Andere ist dort, so dünn wie früher. War sie krank? Als ER erscheint bezähmt er seinen Hass und Zorn, sinkt zusammen und spiegelt Leere in seine Tieraugen. Groß und herrlich nähert ER sich wieder ihm, aber er hat Angst vor dem, was kommen könnte. Abermals hebt ER ihn in die Höhen des Glücks empor, um ihn ebenso achtlos wieder fallen zu lassen. Abermals berührt ER das Andere, ohne dass er verstehen könnte, was geschieht. Er wird allein in den Korall gebracht. Sie bringt ER an einem anderen Ort unter. Man lässt ihn einige Gestirnswechsel in Ruhe, um dann das Gleiche zu wiederholen. Irgendwann hört er auf zu zählen und lässt es einfach geschehen. Es berührt ihn nicht mehr. Wie ER seinen Körper auch knechtet, seinen Geist wird ER niemals berühren.


Das Tor öffnet sich.

Ist dies das letzte Mal?

Leise heult der Wind durch den Korall, es ist Tag. Wolken treiben über den Himmel und machen ihn grau, während hier unten alles stumpf schimmert. Er hört jappenden Atem, näher kommende Pfoten.

Mehrere, er weiß nicht, wie viele.

Ein Geruch erreicht ihn wie eine Erinnerung. Neugierde regt sich in ihn und er steht auf. Als er in der Tür der Behausung steht, erblickt er einen jungen Wolf, der ihn anstarrt. Um ihn herum stehen andere soweit er blicken kann. Abermals schnuppert er, schnuppert an ihm. Mit kaltem Interesse betrachtet er ihn, saugt träge die Luft ein. Sie riechen nicht nach Wolf. Doch, sie riechen nach Wolf, aber auch nach etwas anderem. Der sind sie? Wo kommen sie her? Der Schwarzfellige, der vor ihm steht, beginnt leise zu knurren. <Mach Platz> faucht er ihn an. Sein Rückenfell sträubt sich und er bleckt die Leftzen. Die anderen weichen zurück. Seine Sehnen spannen sich, er macht sich bereit zum Sprung, als etwas geschieht. Seine Augen beginnen förmlich zu glühen, Wut strahlt aus ihm heraus. Dann sinkt er zusammen, seine Gestalt verändert sich fließend. Er fühlt keine Magie. Neugierig fast beobachtet er seine Veränderung und die Gestalt, in der er sich wieder erhebt. Er ist jetzt größer als der Wolf. Steht aufrecht, aber gebeugt und hat eine große Reichweite. Ein zufriedenes Knurren weicht aus der Kehle des Wolfes. Dann stürzt der Wolf auf das unbekannte zu...


Er weiß nicht, wie lange der Kampf währt. Es ist ein ständiger Tanz, ein Spiel von Körper und Muskeln, zwischen Wahrnehmung und Reaktion. Der andere ist schnell. Stark. Aber er kämpft voller Wut, die der Wofl schon lange von sich abgestreift hat. Und schließlich verliert der andere. In Unterwerfung sinkt er vor dem Wolf nieder und bietet ihm seine Kehle dar, sanft umfasst er sie mit den Zähnen und lässt dann los. Blut sprenkelt den Schnee um uns. Seine Wunden heilen schnell. Die des anderen heilen langsam. Er sinkt zu Boden und verändert sich abermals. Wieder in eine andere Gestalt. Als er sich diesmal erhebt, sieht er aus wie das Andere. Feine Tröpfchen bilden sich auf seiner nackten Haut, während der Wolf erhitzt hechelt. Sein Atem beruhigt sich langsam. Der meine langsamer. Schweigend stehen die anderen um die beiden, haben alles mit ihren Augen verfolgt. Das nackte, dünne Wesen mit dem schwarzen Haupthaar verändert sich wieder, um sich als Wolf zu erheben. <Wer bist du...>, jappt er den Wolf fragend an. Neugierige Blicke wenden sich zu ihm. Er denke nach. Wer sind sie? Aber er stellt die Frage nicht. Vielleicht weiß er es. Vielleicht hat ich jetzt seinen Zweck verstanden. Vielleicht kennt er jetzt das Warum. Er betrachtet das im halb geschmolzenen Schnee bereits wieder gefrorene Blut. Dann mustert er seine Nachkommen. <Dein Anführer.> Der Schwarze nickt. Wie alle anderen. Sie wollen nicht gegen ihn kämpfen. Er hat ihren Stärksten besiegt.

Nun ist er ihr Stärkster.


Sie graben. Tag und Nacht graben sie. Sie werden stärker, größer, ausgewachsene Wölfe, die sie doch mehr als Wölfe sind. Ununterbrochen schaufeln sie die Erde aus dem dunklen Loch, während andere sie verteilen. Lange schon haben sie die Richtung geändert und graben immer vorwärts, horizontal, nicht mehr in die Tiefe. Wir stoßen auf keine Mauern. Meter um Meter wird von den pausenlos schaufelnden Pfoten ans Licht gebracht. Immer bewegen sich einige draußen im Korall, kämpfen gegeneinander und ziehen die Aufmerksamkeit, die vielleicht auf die grabenden gewendet wird, auf sich.

Dann, einige Gestirnswechsel später, erscheint ER. ER ist wie ein Licht im Dunkel, überflutet die Geister mit SEINER Herrlichkeit und Liebe... Sie alle sinken zu Boden und sehen zu IHM, ihrem Erschaffer auf. SEIN...sind sie...


Mächtig durchdringt SEINE Stimme die Dunkelheit und scheint hell um sie zu erstrahlen, Licht in ihr jämmerliches Dasein zu bringen.

SIE werden die Ehre haben für IHN zu kämpfen, so spricht ER, und ER wird sie führen, denn ER hat sie geschaffen und ihnen ein Leben gegeben. ER pflanzt Hass auf den strahlenden Bruder in den Herzen und Stolz auf die ruhmreichen Taten, die sie vollbringen werden. Als ER endet, erschallt ein vielstimmiges Heulen und Jaulen und Schreien, ein wilder Schlachtengesang von Wölfen und Halbwölfen und Zweibeinern, die in SEINEM Namen nach Blut süchten. Unvermittelt verblasst ER und die Dunkelheit nimmt wieder überhand, vertreibt das gleißende Strahlen.

Da ist es, als würden seine Nachkömmlinge zu Verstand kommen und in ihren vernebelten Geistern wieder Klarheit erwachen. Fiepend starren sie zu dem Wolf. In dieser Nacht wird ihr Plan sein Ende finden.

Der Mond steht noch am Himmel und betrachtet mit schimmerndem Auge, wie ein kleines Stück halb gefrorene Erde zittert, als sie durchbrechen. Einige dutzend Meter entfernt ragen die eiskalten, schwarzen Mauern empor, die sich wie Klammern um das Herz des Wolfes geschlossen haben. Sie sind erschöpft, nachdem alle nacheinander durch den Tunnel in das Freie gekrochen sind. Aber die Flucht hat in Wahrheit erst begonnen.


Anstatt nach Süden wenden sie sich nach Norden, weiter in die Kälte. Die Jungen wollen nach Süden, doch dort wird ER sie vermuten. Ihre Pfoten sind wund und rissig, als in der Ferne felsige Gebirgszüge auftauchen. Der rosige Schimmer der Sonne liegt auf dem rauhen Gestein, die unmöglich zu überwinden sind für Wesen ohne Flügel. Aber sie wollen sie nicht überwinden. Die Sonne steht über dem Horizont und wärmt sie, während sie am Fuße der Berge ausschwärmen und nach Höhlen suchen. Eine führt tiefer als alle anderen hinein, scheint kein Ende zu haben. In diese verschwinden sie, in der Hoffnung, dass SEINE Augen die Felsen nicht zu durchdringen vermögen...


Die Weiterentwicklung des "Anderen" und die Entstehung der Saat

Norden merkte, dass er die Werwölfe nicht finden konnte und Wut flammte in ihm auf. Er hatte aber nicht die Zeit sie bis in alle Ewigkeit zu suchen. Also holte er das „Andere" wieder hervor und riss es im Lebendigen in zwei Hälften, um daraus zwei neue, ähnliche zu formen von verschiedenem Geschlecht. Der Schmerz war für das „Andere“ wie ein kleiner Tod und Nordens Stimme, die immer wieder säuselte: „Finde sie, töte sie, bestrafe sie, vernichte!“, stach wie brennende Dolche. Der Zorn, der schon durch den Mondsplitter in dem "Anderen" brannte, wurde nur noch stärker und der Wahnsinn überflutete es förmlich und drang tief in jede Pore, jeden Tropfen Blut. So schickte Norden seine neuen "Häscher" hinaus um sich zu mehren und die Werwölfe, die es gewagt hatten ihm den Rücken zu kehren, zu finden und zu vernichten. Diese zogen hinaus in die Welt, hielten sich verborgen, suchten und fanden schließlich auch, wonach sie suchten.

Der Urwolf und seine Kinder hatten kaum eine Chance und es blieb nur die weitere Flucht. Gehetzt über die ganze Welt, wurden sie immer weiter dezimiert. Der Urwolf suchte verzweifelt nach einem Weg sich zu vermehren und zu überleben. Da die Werwölfe sich gut unter der Rasse, genannt Mensch, verstecken konnten, wenn sie sich nicht gerade in ihre Kriegerform gewandelt hatten, beschloss er, sich mit einem Menschen zu paaren und hoffte darauf, so nachkommen zeugen zu können. Doch er bekam keine Kinder die ihm gleich waren, keine die sich wandeln konnten wie es seine "richtigen" Kinder konnten.

So kam es eines Tages, dass er aus Zorn darüber eines seiner Menschenkinder zu Tode biss. Erst da merkte er, was er geschaffen hatte, denn es starb nicht, sondern verwandelte sich und wurde zu seinem "wahren Kind". Er hatte durch die Paarung mit einem Menschen die Saat unter diesen verbreitet und er sah schnell ein, dass dies noch viel besser war als direkte Nachkommen, da die "Häscher" ihre Spur so nicht weiter verfolgen konnten, solange die Saat nicht erweckt würde. So verteilte er sie weiter auf seiner Flucht, in dem Wissen sie später erwecken zu können. Er wusste genau, wo er sie wieder finden könnte, denn er konnte jene, die die Saat in sich trugen, riechen. Denn sie rochen nach ihm selbst. Auch seinen Kindern berichtete er davon, brachte ihnen bei, wie sie die Saat erkennen konnten, hielt sie dazu an stets eine Maskerade zu wahren und sich unter die Menschen zu mischen. So streuten sie sich in alle Himmelsrichtungen und versteckten sich erneut. Und auch der Urwolf ging und verschwand spurlos in der Gewissheit, dass nun seine Art überleben würde. Den Werwölfen war es nicht bekannt, wohin er gegangen war oder ob er noch lebte. Aber sie wussten, er würde stets über sie wachen, koste es, was es wolle.

Die Zeit ging ins Land, die Welt änderte sich in den Jahrtausenden, die Saat verbreitete sich unbemerkt unter dem Menschen und sogar noch weiter, denn die Menschen paarten sich mit dem Volk der Barbaren und auch dort wurde die Saat gesät. Ab und an geschah es, dass die "Häscher" wieder auf die Spur eines Werwolfes kamen und dies endete nicht selten tödlich für beide. Die Wölfe wurden immer weniger und auch die Zahl der Häscher, denn Norden hatte nach all der Zeit das Interesse daran verloren, sich an den Werwölfen zu rächen ... oder es vielleicht nur vergessen. Doch die "Häscher" vergaßen nie, es gab nur Zorn und eine Aufgabe für sie.

So ist der Lauf der Dinge bis heute. Die "Häscher" sind irgendwo da draußen. Doch es ist ruhiger geworden. Die Werwölfe sind an der Zahl gewachsen und die Saat durchzieht die Population der Menschen und Barbaren wie ein roter Faden bis hin zu ihrem Ursprung ... dem Urwolf.

Der Urwolf nach der Zeit der Flucht

Der Urwolf ist nicht unsterblich und so verließ auch er nach einer übermenschlichen Lebenszeit die Welt. Doch nur seine fleischliche Hülle ist gestorben, sein Geist, durchsetzt mit seinem unglaublich starken Überlebenswillen, weigerte sich zu sterben und ging in eine andere Ebene, eine andere Metaebene des Astralraumes, über. Dort ist er gefangen, da es ihm nicht möglich ist, selbst in einer anderen Gestalt aufzuerstehen, also einen neuen fleischlichen Körper in Besitz zu nehmen. Das soll nun aber nicht heißen, dass der Urwolf gänzlich machtlos ist. Denn noch immer besitzt er eine gewisse Existenz, Präsenz und auch Macht. So ist er ist wohl in der Lage Teile seines (Überlebens-)Willens, seiner letzten Lebensenergie, an andere Wesen abzugeben und eben diese einmalig wieder zu beleben. Auch ist es ihm möglich einen Teil von sich als geisterhafte Form auf die physische Ebene zu projizieren und somit Kontakt zu anderen Wesen aufzunehmen, wenn es unbedingt notwendig ist. Und an jenem Punkt setzen wir an, wenn es um die Verbreitung der Saat auf anderen Welten geht.

Die Intention des Urwolfes, um weiterzuführen, erklärt sich im Groben und Ganzen in einem Wort: Überleben. Überleben des eigenen Selbst, aber auch das Überleben der eigenen Spezies, in diesem Fall der Lykanthropen. Da der Urwolf oder vielmehr seine Hülle schon starb, ist es an seinen Kindern auf der Welt zu überleben und er wird alles in seiner Macht stehende tun dieses zu sichern, auch wenn es zu seinem eigenen, endgültigen Tod führen würde. Sprich, das Hinabfahren zum Seelenfluss. Natürlich würde der Urwolf es begrüßen einen Weg zu finden, auf dem er selbst eine Reinkarnation erleben könnte und um dies zu erreichen, würde er vermutlich auch eines seiner Kinder opfern. Der Urwolf stellt immer noch das Bindeglied zwischen jedem einzelnen Lykanthropen dar. Man könnte ihn als eine Art Knotenpunkt im Fadengewirr der einzelnen Lykanthropenseelen sehen. Er sieht und weiß alles, was seine Kinder tun.

Abschließend ist zu sagen, dass der Urwolf zwar noch existiert, sich aber sehr im Verborgenem hält. Das soll heißen, dass nur ein paar wenige Werwölfe überhaupt wissen, dass es ihn noch gibt. Die Betonung liegt auf „wissen“, denn der Glaube daran, dass der Urwolf noch existiert - irgendwo da draußen - ist in vielen Lykanthropen ob ihrer Erweckung verankert.

Die Verbreitung der Saat auf anderen Welten

Der Urwolf, dessen Geist sich innerhalb einer Metaebene befindet, mag ebenso in der Lage sein diese zu wechseln und sich zumindest in seiner Geisterform in anderen Ebenen zu festigen. Immer noch dem Streben nach Leben, nach Überleben seiner selbst und seiner Kinder, folgend, orientiert er sich an den Knoten der Astralebene, die Existenzen wiedergeben. Und so mag der Urwolf sich bewusst einen Menschen mit magischen Potenzial auswählen, nicht allzu vielen, aber für seine Zwecke durchaus ausreichend. Er beeinflusst nun also diesen Magier, denn dadurch dass er auf das Astrale Gewebe zugreift und es verändert, kennzeichnet er sich und wird sichtbar. Der Urwolf ahnt, dass die geistige Saat, das Siegel setzen, alleine nichts bringt, deswegen hat er sich einen Magier ausgesucht um ihn nun von sich aus zu modifizieren, er bringt den Magier dazu, seine körperlichen Vorraussetzungen in genau den Zustand zu bringen, der benötigt wird damit ein Saatträger erweckt werden kann. Nun muss der Urwolf nur noch im Geiste die Saat setzen.

Der Magier, das eigentliche „Opfer“, wird nun dazu gebracht, sich fortzupflanzen und somit auch die Saat auf der anderen Welt auszubreiten. Und so schlummert die Saat wohl noch in anderen Menschen und wartet darauf erweckt zu werden.

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