Ubirath

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Inhaltsverzeichnis

Beinamen

Der Sehende, Der Weber

Status

Profil

Quellen

Der nachdenkliche Engel, der Weber und Planer, der sich an den komplizierten Dingen zu erfreuen vermag. Ubirath gilt als Schutzherr nicht nur der Kunsthandwerker und der Kultur sondern auch als Patron der Magier, die sich - wie er - allerlei Wunderdinge bewirken können. "Erkenne Dich - Alles was Du sein kannst, bist Du!" - so spricht der Seraph, der bisweilen in der majestätischen Gestalt des lichtgeborenen Engels erscheint, manchmal aber auch eine unscheinbare, gar profane Gestalt wählt um sich unter die Sterblichen zu mischen.
Ubirath schätzt Wissen über Alles obgleich er kein Freund endlosen Studiums ist, was gerade in Hinblick auf die Zunft der Zauberer zu einer interessanten Ambivalenz führt. Gerüchten zufolge soll Ubirath den leichtlebigen Hexen sehr zugetan sein, sofern diese den Idealen und Tugenden seines lichten Herren entsprechen können, es wird gemunkelt, daß er es einst gewesen sei, der Syra vor Wahnsinn oder Tod bewahrte.
Die Gabe der Prophezeiung ist die wohl herausstechenste Eigenschaft des Seraphs, der sich Tyrael erst spät anschloss, verbürgt ist sein Erscheinen aber schon vor der Ankunft seinen späteren Herren. Ubirath antwortet nur selten auf Gebete, er vergibt seine Geschenke nur den eigenen Zielen folgend - so heisst es, dass das fahrende Volk einst von ihm gesegnet oder verflucht wurde, um damit die Waage in weiter Zukunft zu Gunsten Tyraels zu neigen.

Estrella Andrade:

Sie wanderte durch endlose Felder und Haine, die Hitze der Sonne brannte auf ihre blossen Arme, ein sachter Wind bewegte das leichte Kleid das sie trug. Die bloßen Füße schienen die Erde unter ihren Füßen geradezu zu begrüßen, und das Laufen fiel leicht, so leicht, als könne sie niemals ermüden. Die Landschaft durch die sie wanderte war von sanften Hügeln durchzogen und die niedrigen, knorrigen Bäume, zwischen denen sie hindurchwanderte spendeten spärlichen Schatten. Die Luft roch nach Würze und Wärme, nach sonnenglühenden Tagen und nach einer Heimat. Sie hielt nicht einmal inne bei diesem Gedanken an jenes Wort, das sie für sich selbst als nicht existierend, als verloren glaubte. Heimat...

Als erkenne etwas in ihrem Blut diese Gegend als zu ihr gehörig, diese Erde hatte ihr Volk hervorgebracht.

Diese Erde war die Heimat der Zigeuner.


Rechts und links sah sie weissgetünchte Häuser, an den Hang geduckt, schlafend in der Mittagssonne. Mittags wurde niemals gearbeitet... es war viel zu heiß.

Sie war nicht der einzige Wanderer in der Glutsonne des Nachmittages. Als würde sie nur beobachten und nicht durch diese Szenerie wandeln, erblickte sie eine Gestalt in einer einfachen, grauen Robe. Ein Hut aus Stroh schützte sein Gesicht vor der prallen Sonne, ein Wanderstab stützte seinen etwas zögernden Schritt. Müde lief er auf das kleine Dorf zu, das an die endlosen Haine angrenzte, sonnenverglühte weiße Häuser, die sich um einen sandigen Platz mit Brunnen gruppierten.


Einige Bäume standen schattenspendend auf der sandigen Fläche und luden zum Verweilen ein. Der Fremde hielt darauf zu und sie folgte ihm ohne zu wissen warum. Doch das Dorf sah einladend aus, versprach Heimat und Zuflucht und so schien es nur natürlich, darauf hinzuzulaufen.


Doch noch bevor er den Dorfplatz betrat, kam Bewegung in die schlafenden Häuser. Als hätten unsichtbare Augen sein Kommen beobachtet stand wie aus dem Boden gewachsen ein Mann vor ihm. Sein weißes, weites Hemd und die schwarze Hose erinnerten sie ebenso wie die rote Schärpe an ihren Vater, und auch das scharfgeschnittene Gesicht und die gebogene Nase schienen die Erinnerung noch zu verstärken. Sie hielt inne und beobachtete, beobachtete wie der Fremde vor dem Wanderer stand und die Arme verschränkte ohne von ihr selbst Notiz zu nehmen.

"Was wollt Ihr hier?"

Seine Stimme hatte einen schroffen Klang.

"Ich bin nur auf der Suche nach etwas Wasser und einer Zuflucht..."

"Ah ja?"

Mißtrauen loderte hell in den Augen des Fremden. "Die reine Reiselust bringt Euch in die Gefilde des Stammes der Zigeuner."

Die Stimme troff vor Ironie und er lehnte sich lässig an die weißgekalkte Hauswand neben sich. Sie konnte im Hintergrund erkennen, daß die beiden keinesfalls unbeobachtet waren. In Hauseingängen und dunklen Fensteröffnungen waren noch andere zu erkennen, die die Szenerie beobachteten. Hier und da war sogar ein Messer zu erkennen.

"Es ist nicht so, daß Euch die Sippe der Zigao zu uns schickte, nicht wahr?"

Der Wanderer ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und schüttelte nur sanft den Kopf.

"Nein, dem ist nicht so."

"Ich glaube euch nicht."

Der Wanderer stützte sich schwer auf seinen Stab und musterte den Zigeuner vor sich.

"Ihr verweigert mir die Gastfreundschaft?"

"Unter diesen Umständen ? Ganz recht."

Lange ruhte der Blick des Wanderers wieder auf dem Zigeuner, bevor er schließlich nickte.

"Wie Ihr meint..."

Er wandte sich ab und langsam, schwer, trugen ihn seine Schritte wieder fort von dem kleinen Dorf. Sie erhaschte einen kurzen Blick auf sein Gesicht, eine Trauer und Weisheit, die weit über alles menschliche hinausging, das sie jemals gesehen hatte und sie spürte, wie ihre Knie nachgaben unter der Ewigkeit im Blick des Wanderers.

Sie sank sitzend ins durftende Gras, das ihre Beine umfing und umschmeichelte und kämpfte gegen den Schmerz in ihrem Herzen...

Erst als sie den Blick wieder hob, sah sie gegenüber auf der anderen Seite des Feuers das Gesicht Silos, des jungen Jongleurs aus der Sippe der Thigona, der ihr kurz und lächelnd zuzwinkerte, während die Stimme ihres Vaters weiterhin über die Lichtung klang.

"Doch es war kein einfacher Wanderer, den Raoul an diesem Tage abwies", sprach er weiter, seine Stimme leise jenen wundervollen Klang annehmend, der aus ihrer Kindheit noch jede gute Geschichte begleitete.

"Und es war auch kein Spion der Zigao, der Schutz an diesem Tage suchte. Jener Wanderer im Olivenhain ist den Menschen unter dem Namen Ubirath bekannt. Einer der Diener des Wolkengottes, den man im allgemeinen Tyrael nennt. Ubirath, Wanderer und Suchender nach Wahrheit. 'Erkenne dich' seien seine Worte, sagt man, und an jenem Tag kannten er und sein Herr die Herzen unseres Volkes, unseren Stolz, unsere hochfahrende Dummheit.

Und so warfen sie den Fluch über uns, das Schicksal des Wanderers zu teilen, ohne Heimat und Zuflucht zu sein. Sie nahmen uns unsere Erde, die unser Blut hervorgebracht hatte und sandten uns auf eine Reise, die bis zum heutigen Tage andauert. Schon allein deshalb liegt Takossa, die Gastfreundschaft, tief in unseren Herzen verwurzelt und so ist es Brauch, niemanden abzuweisen, der Hilfe auf seinen Wegen sucht. Doch man sandte uns nicht nur die Heimatlosigkeit als Strafe. Als Geschenk und Hilfe bekam unser Volk auch die Gabe der Dra'mindra mit auf den Weg, auf dass wir beim nächsten Mal leichter verstehen..."


Rabe:

Das Bewußtsein eines Menschen folgt für gewöhnlich einem einfachen Pfad - der verlaufenden Zeit streckt es sich ebenso entgegen wie eine Pflanze dem Licht: Vielfach verästelt, Blätter, Zweige und Knospen, Blüten gar bildend, aber dennoch vor allem die Regung zum Licht hin, der alle Details folgen müssen. Die Zweige eines sterblichen Bewußtseins können zwar bisweilen abrupte Haken schlagen, entfernte Bereiche berühren und Brücken schließen zwischen Dinge, die ohne Zusammenhang erscheinen, aber auch in diesem scheinbaren Chaos folgen sie immer der ursprünglichen Richtung nach.

Inmitten der verwobenen Schicksalsmuster hätte ein solches Bewußtsein sicherlich einem der stärkeren Stränge nachfolgen können, beobachtend, wie Zweige und Blätter sich von anderen Fäden erstreckten und Bande schufen, während andernorts solche Verknüpfungen dünner wurden und schliesslich verschwanden - aber den Überblick inmitten der sinnverwirrenden Vielfalt hätte selbst eine Koryphäe im Umgang mit magischen Mustern nicht einmal ansatzweise erringen können.

Nicht nur, wegen der unzähligen Veränderungen dieses permanenten Flusses, vor allem auch weil jede Wahrnehmung eines sterblichen Bewußtseins schon an der Aufgabe gescheitert wäre die Gesamtheit des Gewebes überhaupt zu begreifen - die wenigen Reste würden, ohne dass die Augen wirklich etwas gesehen hätten, in das Abbild eines solch vielfach verschlungenen Spinnennetzes gedacht.

Möglicherweise hätte ein Beobachter an diesem Platz zwischen den Orten aber auch nichts von den Mustern wahrgenommen, gebannt durch die anwesende Präsenz, deren Erscheinung nicht weniger mühsam zu erfassen war, als die Schicksalsfäden selbst.

Wäre jener zufällig Anwesende ein ganz und gar ohne kreatives Bewußtsein beschenkter Mensch gewesen, dann hätte er hier weder schimmerndes Licht noch das Gefühl von Wärme auf der Haut wahrgenommen - ein gewöhnlicher Sterblicher indes wäre dieser Wahrnehmung aufgrund des verzweifelten Versuch seines Verstandes das Übermaß an Präsenz in sterbliche Muster zu pressen zweifelsohne erlegen.

Die kreisende Suche des Gedächtnisses würde vielleicht sogar tief genug zurückgehen um die Beschränkungen der Erinnerung zu durchdringen und in das einzutauchen, was die Schwarmgemeinschaft Menschheit wußte, dorthin wandernd, wo Kollektiverinnerungen nur darauf warteten emporzusteigen und als rational nicht nachvollziehbarer Funken von Inspiration einen Teil zur Wahrnehmung beizutragen.

"Ubirath!" - so hätte dieser Teil vielleicht rufen können, während die Augen die schimmernde Gestalt des Seraph maßen - nicht sehend, aber doch in der Lage, feinste Details in der hochaufragenden berobten Gestalt auszumachen.

Nur hier und da wurde ein Knoten berührt, in eine leicht andere Bahn gelenkt als vordem, andere Faden wurden gestärkt oder aufgehalten - in der Impression von Veränderung würde die Wahrnehmung vielleicht zahllose miteinander verflochtene Schicksale erkennen. Wenn es Finger gegeben hätte, dann wären sie vielleicht an einem der Knoten verweilt, dort, wo die Vergangenheit zahlreiche Spuren hinterlassen und den Weg vielfach gebogen hatte - aber so wie jetzt, hatte es noch nie zuvor einen Knick im Verlauf gegeben.

Ungewöhnlich lange verblieb die Aufmerksamkeit des Seraphs an jenem glimmenden Seelenfunken, bevor andernorts geringe Veränderungen angestoßen wurden, weitere Fäden sich sanft in Richtung jener Stelle im Gewebe neigten.


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